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Das BikeHotel der nächsten Generation

Posted by Olivia Schoch on December 01, 2017
Olivia Schoch
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Wohl niemand hätte sich 1999 vorstellen können, dass ein Luxushotel wie das Cresta Palace in Celerina einen Umbau extra für Bikegäste vollstrecken würde. Damals galt schon nur die Idee, Mountainbiker als Zielgruppe für ein Hotel im abgeschiedenen Münstertal zu gewinnen, als eher exotisch. Die Zeiten haben sich auch im Mountainbike-Tourismus geändert. Doch wie und was gilt heute als Standard, wenn die Bedürfnisse der heutigen Bikehotelgäste im Zentrum stehen?

Alles begann mit der Mutter

Darco’s Mutter hatte den Traum vom eigenen Hotel. Die Chance tat sich 1999 auf als sie im Münstertal, wo die Familie Cazin lebte, ein Berghotel übernehmen konnte. Die Betriebsgeschichte brachte eine etwas schwierige Ausgangslage mit sich: Viele Besitzerwechsel, wiederholte Schliessungen, die Immobilie war nicht gerade baufällig aber etwas heruntergekommen mit rostigem Dach und so – ausbleibende Kundschaft. Mama Cazin hatte sich also eine interessante Herausforderung ausgesucht. «Wer will im abgelegenen Münstertal Ferien machen?», fragte sie sich zusammen mit Fadri und Darco. Die Antwort war schnell gefunden: «Mountainbiker!». So reiste man dann gen Italien zum Mountainbike-Festival in Riva del Garda um die potentielle Zielgruppe erleben und kennen zu lernen. Was sie antrafen versetzte sie in Staunen: Was für ein Markt – und diese Produkte erst! Damals existierten bereits vollgefederte Räder. Sie hatten das Glück auf Holger Meyer zu treffen, welcher sogleich mit ihnen im Münstertal ihr erstes Fotoshooting mit Röbi Bösch und Karen Eller auf die Beine stellte. Allmählich bauten sie das «Bikehotel Stelvio» in Santa Maria aus mit Bikestation, Bikecamps, Tourenangeboten, Shuttledienst und allem was das Mountainbikerherz damals begehrte. Innerhalb weniger Jahre war das Haus voll von Mountainbikern. Darco geht in seiner Erzählung sogar so weit zu vermuten, dass man sich als Nicht-Biker etwas deplatziert gefühlt haben könnte. Seine Mutter gab nach ein paar Jahren das Hotel wieder auf um ein anderes im Schweizer Nationalpark zu übernehmen, wo Biken jedoch untersagt ist. Sie wurde mit einer neuen Zielgruppe glücklich – und Allegra wuchs weiter und etablierte sich in der Beratung von Mountainbike-Tourismusdestinationen. 

Steckenpferd Livigno

Unser erster offizieller Auftrag mit Allegra bestand unter anderem darin, in Livigno eine Kooperation von Bikehotels aufzubauen. Darco klapperte sämtliche Betriebe ab. Das Resultat war ernüchternd: Von rund 100 Hotels konnte er mit 10 starten. Acht sagten mit einem «ja, mal schauen» zumindest nicht ab. Lediglich zwei waren mit Herz und Seele von Beginn an dabei. Das waren Fabio Giacomelli von den «Lungolivigno Hotels» und Alessandro Longa vom «Hotel Astoria». Heute wissen wir, dass diese beiden Betriebe bei den Mountainbikern auch am schnellsten Erfolg hatten. Die anderen brauchten etwas länger. Die neu entstandene Hotelgruppierung mit Betrieben aus Livigno und dann später auch aus dem Engadin, dem Puschlav und dem Oberen Veltlin trat vereint unter dem Markennamen «Alta Rezia» auf. Einige Jahre später, als das Projekt graubündenBIKE ins Leben gerufen wurde, schlossen wir die bereits bestehenden lokalen Hotelpartnerschaften in Flims/Laax, Lenzerheide und Davos zur Bündner Kooperation graubündenBIKEHOTELS zusammen. Diese gibt es heute noch und wird von herbert.bike betreut.

Bin ich ein Bikehotel?

Doch wie definiert sich ein Bikehotel? Diese Frage wurde von den Hoteliers in den letzten 15 Jahren unterschiedlich beantwortet; zu den Anfangszeiten mit einem Kleber an der Eingangstüre «Bikefreundlich». Das Angebot wurde jedoch nicht merklich verändert. Als man sich dessen bewusst wurde, erarbeitete man Kriterien zum Service und zur Struktur und erfüllte diese entsprechend; zum Beispiel mit einer abschliessbaren Garage und einem Waschplatz für das Mountainbike.

Bike Garage alt.pngAn dieser Stelle ist zu erwähnen, dass sich der Kriterienkatalog mit der Mountainbike-Entwicklung laufend verändert hat. Ein heutiges Kundenbedürfnis ist beispielsweise der Stromanschluss für das e-Bike und die Sicherheit per Videoüberwachung. Und nun ein kleiner Exkurs: Beim zweiten Ride Mountainbike Kongress in Chur gingen wir auf eine neue Ebene und luden Schweiz Tourismus und hotelleriesuisse ein. Im Beisein der Mountainbikebranche präsentierten wir ihnen die aktuellen Standards für Bikehotels. Wir zeigten auf, was diese für Tourismus-organisationen bedeuten. Die Reaktion war überaus positiv und führte zu einem Meilenstein: Beide Parteien leisteten sogleich Unterstützung indem sie ihre Standards unkompliziert anglichen. Auf dieser Basis entstanden die heute gültigen nationalen Kriterien für Bikehotels.

Zurück zur Progression bei der Definition eines Bikehotels: Eine neue Ära brach an als Hoteliers selbst zu Mountainbikern wurden – oder Mountainbiker zu Hoteliers. Sie belebten das Hotel mit ihrer Faszination und Freude für den Sport und gestalteten so die Bühne der Mountainbikekultur mit. Als Biker fällt es einem einfach die Wünsche seinesgleichen zu erkennen und zu erfüllen. Folglich kommunizierten die Hotels plötzlich authentischer mit dem Markt und das Hotelangebot passte sich diesem an. Dann ging es sogar noch einen Schritt weiter: Die Hotels bauten das Angebot ausserhalb ihrer Kerndienstleistungen von Kost und Logis aus. Im «Massa Vecchia» von Ernesto Hutmacher haben Gäste zum Beispiel die Möglichkeit einen GPS-Sender auf ihre Mountainbiketour mitzunehmen um sich auch ohne Guide in der Toskana sicher fühlen zu können. Bewegt sich der Biker für längere Zeit nicht, so erhält Ernesto eine Nachricht auf sein Mobil-Telefon und kann auf der GPS-Karte überprüfen, ob der GPS-Punkt allenfalls über einem Café liegt – der Gast sich also eine Pause gönnt. Stellt er aber fest, dass sich der GPS-Punkt abseits der Zivilisation nicht mehr regt, so kann er den Gast anrufen und allenfalls notwendige Hilfe aufbieten.

Zu Besuch im Nonplusultra-Bikehotel
Bei Allegra arbeiten wir regelmässig mit ganz unterschiedlichen Hoteliers zusammen und führten diesen Sommer erneut einen Studientag durch. Mit Hoteliers aus dem Ötztal besuchten wird die Hotels Palü, Cresta Palace und Bever Lodge im Engadin. Was wir da zu sehen bekamen, war auf jeder Ebene beeindruckend: Im Hotel Palü gibt es einen neuen Gepäckraum mit zwei Duschkabinen. Gäste, welche am Abreisetag eine Mountainbiketour unternehmen, können sich dort auch noch nach dem Check-out für die Heimreise erfrischen. Hier haben wir es mit dem aktuell progressivsten Entwicklungsschritt zu tun, den ein Bikehotel begehen kann: ein Hotelbau oder –umbau, welcher auf die Bedürfnisse der Mountainbiker abzielt und abgestimmt ist. Das Hotel Cresta Palace in Celerina baute vergangenes Jahr ein ganzes Stockwerk um und optimierte damit das Kundenerlebnis um Welten. Eine Rollrampe führt nun prominent über die Eingangstreppe. Der Gast wird von da an in den Bikeraum geführt, dann in die Bikewerkstatt und weiter in die Bikegarderobe mit Schliessfächern. Die Lounge nebenan lädt als Treffpunkt zum entspannten verweilen ein, wo man bei einem Erfrischungsgetränk die Tour Revue passieren lassen, sich mit anderen Bikern austauschen und die nächste Route planen kann. Im hauseigenen Shop bietet sich eine kleine Auswahl für Bikeprodukte des täglichen Verbrauches oder Dinge, die man allenfalls zu hause vergessen hat: Bikehandschuhe, Brille, Riegel, Ersatzschläuche etc. Ausserdem steht ein Kühlschrank bereit, indem Gäste ihre mitgebrachten Energygetränke kühlen und sich auch ein Lunchpaket reinbestellen können. Jedes Gästezimmer verfügt über einen eigenen Schrank mit Aufhänge-Vorrichtung für das Trocknen der Bikeausrüstung wie Helm, Kleider und Schuhe – praktisch! Selbstverständlich steht an einer separaten Rezeption ein Bikeguide für Gäste persönlich beratend zur Verfügung, gibt Tipps zu Tourenmöglichkeiten und bietet auch selbst Fahrtechnikkurse an.

Entwicklung in mehreren Schritten 
Das Hotel Cresta Palace in Celerina ist in der Schweiz ganz klar das progressivste Beispiel und wird als neuen Benchmark bewundert. Es ist jedoch vielen Bikehotels lediglich den letzten Entwicklungsschritt voraus. Generell lässt sich beobachten, dass sich die Bikehotels in den geschilderten 18 Jahren beträchtlich weiterentwickelt haben und heute eine beachtliche Zahl an Logiernächten mit Bike-Gästen verzeichnen dürfen. Das Dranbleiben hat sich gelohnt – weiter so!


Wer plant bereits einen Umbau seiner Hotelinfrastrukturen für Mountainbiker?

Topics: mountain bike, services, bike hotels, destinations, tourisme

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